23 Stockwerke über Hamburg. Ein fantastischer Blick über die Stadt. Und trotzdem hat es sich gelohnt, nach vorne auf die Bühne zu schauen.

Denn auf der ausverkauften evolve 2026, der User Conference von Darwin CX in Hamburg, ging es um Fragen, die den Verlagsalltag verändern: Was passiert, wenn KI nicht mehr nur assistiert, sondern eigenständig arbeitet? Wie wird aus Reichweite eine echte Community? Und warum könnte ausgerechnet das Inkasso zum Retention-Kanal werden?
Die evolve brachte Kunden, Partner und Publishing-Experten zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Ein wichtiger Programmpunkt: die für den DACH-Markt lokalisierte Darwin-CX-Plattform vor Ort erleben. Von der deutschsprachigen Benutzeroberfläche bis hin zur gemeinsamen Steuerung von Print- und Digitalangeboten – die Experten von Darwin CX standen den Teilnehmenden Rede und Antwort.
Das wurde im Gespräch zwischen Alex Münch und Tom Jenkins deutlich.
Die größte Gefahr beim Einsatz von KI liegt nicht in veralteter Technologie, sondern darin, den Wandel als reines IT-Projekt zu betrachten. Denn neue Technologien entfalten ihr Potenzial erst dann, wenn Unternehmen ihre Mitarbeitenden mitnehmen, Rollen neu denken und ihre Teams auf die veränderte Arbeitswelt vorbereiten.
Mitarbeitende werden weniger selbst ausführen und stärker steuern, beurteilen und entscheiden. Das verlangt neue Fähigkeiten – und Führungskräfte, die ihre Teams durch diesen Wandel begleiten.
Wie macht man Teams fit für KI? Franziska Riedel zeigte am Beispiel von falkemedia, wie KI erfolgreich im Arbeitsalltag verankert werden kann. Mit zwei bereits erfolgreich durchgeführten AI Ready Days, klaren Leitlinien und praxisnahen Anwendungen hat das Unternehmen seine Mitarbeitenden befähigt, KI sinnvoll in ihre tägliche Arbeit zu integrieren. Der dritte AI Ready Day steht bereits an. Ihr Fazit: KI schafft vor allem dort echten Mehrwert, wo sie wiederkehrende Aufgaben übernimmt, menschliche Expertise ergänzt und Freiräume für neue Ideen schafft.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Welche Aufgaben können wir durch KI ersetzen? Sondern auch: Was können unsere Teams mit KI erreichen, das bisher nicht möglich war?
Michael Smith und Holger Ganßer präsentierten die Produktvision und Roadmap von Darwin CX. Michael brachte das Prinzip auf den Punkt: Menschen steuern, Agenten führen aus. Jeder Agent braucht ein klares Ziel, definierte Leitplanken und einen Menschen, der Verantwortung für seine Ergebnisse übernimmt.
„Ein KI-Agent ohne Verantwortlichen macht nicht lautstark Fehler. Er arbeitet die ganze Nacht weiter – selbstbewusst in die falsche Richtung.“
Geschwindigkeit ist heute kein Problem mehr. Die Richtung schon. Acht Ruderer machen ein Boot nicht schneller – es sei denn, alle rudern in dieselbe Richtung.
Auf der evolve wurde deutlich, wie Darwin CX seine globale Plattform für den DACH-Markt weiterentwickelt: mit deutschsprachiger Benutzeroberfläche, der Verbindung von Print- und Digitalangeboten und der Berücksichtigung lokaler Verlagsprozesse.
Reichweite ist eine schöne Kennzahl. Sie sagt allerdings wenig darüber aus, wie verbunden sich Menschen einer Medienmarke tatsächlich fühlen.
Madeleine White und Heiko Scherer diskutierten, wie Community First Teil des Reader-Revenue-Modells werden kann. Personalisierte Inhalte und datenbasierte Angebote sind dabei nur der Anfang. Entscheidend ist, ob Leser auch miteinander und mit der Medienmarke in Beziehung treten können.
Reichweite bringt Menschen zu einer Medienmarke. Community gibt ihnen einen Grund, zu bleiben.
Ein neues Abo ist schnell gezählt. Ob der Kunde in sechs Monaten noch dabei ist, steht auf einem anderen Blatt.
Lennart Schneider zeigte, was Verlage von anderen Subscription-Branchen lernen können. Duolingo schaut darauf, wie regelmäßig Nutzer aktiv sind. Die New York Times untersucht, welche Aktivitäten mit langfristiger Nutzung zusammenhängen – etwa Spiele, Newsletter oder das Speichern von Rezepten.
Lennart zeigte außerdem, wie digitale Empfehlungsprogramme zufriedene Abonnenten zu aktiven Fürsprechern machen können. Werden Empfehlungen einfach in die digitale Customer Journey eingebunden und mit gezielten Engagement-Maßnahmen verknüpft, entsteht ein zusätzlicher Ansatz für die Kundengewinnung und -bindung.
Die spannende Frage lautet also nicht nur, wie viele Abonnenten ein Verlag gewinnt. Sondern welche Erlebnisse dafür sorgen, dass sieihr Abo tatsächlich nutzen, weiterempfehlen und behalten.
Angebot anzeigen, Knopf drücken, Abo verkauft. Wäre Paid Content so einfach, hätten die meisten Verlage vermutlich längst andere Sorgen.
Sascha Bossen zeigte drei konkrete Wachstumstreiber: Conversion, ARPU und Onboarding. Bei der Conversion zählen Sichtbarkeit, eine klare Nutzerführung und Vertrauen im Abschlussprozess. Für einen höheren durchschnittlichen Umsatz pro Abonnent reicht ein einziges Standardangebot auf der Paywall oft nicht aus. Unterschiedliche Produkte, Angebote und Preisstufen können verschiedene Zahlungsbereitschaften besser abbilden. Der dritte Hebel setzt direkt nach dem Kauf an. Gerade in den ersten Tagen müssen neue Abonnenten erleben, warum sich ihr Abo lohnt.
Mehr Abschlüsse allein sind deshalb noch kein nachhaltiges Wachstum. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Conversion, Umsatz pro Kunde und Abo-Haltbarkeit.
Ein Abo-Abschluss ist noch keine langfristige Kundenbeziehung. Und eine unbezahlte Rechnung muss nicht zwangsläufig deren Ende bedeuten.
Im Kundenpanel „Eine Audience, viele Journeys – Print und Digital zusammendenken“ diskutierte Alex Münch mit Mathias Cosmovici (userwerk), Simon Schwandner (DER SPIEGEL) und Natascha Diederichs (ksp), wie sich der Customer Lifetime Value über den gesamten Abo-Lebenszyklus entwickeln lässt.
Mathias zeigte, warum bereits bei der Akquise Bonität, Angebotsqualität und Haltbarkeit zählen. Simon rückte Aktivierung, Nutzungsverhalten und frühzeitige Churn-Signale in den Fokus. Und Natascha machte deutlich, dass selbst ein Zahlungsverzug nicht das Ende der Kundenbeziehung bedeuten muss.
Denn ein attraktives Neukundenangebot kann bestehende Abonnenten verärgern. Fehlende Aktivierung erhöht das Risiko späterer Kündigungen. Und ein standardisierter Inkassoprozess kann eine Kundenbeziehung beenden, die durch persönlichen Dialog möglicherweise erhalten geblieben wäre.
Die Frage ist also nicht nur, wie Verlage mehr Abos verkaufen. Sondern warum sie Akquise, Retention und Rückgewinnung noch immer getrennt optimieren, obwohl der Kundenwert über alle drei Phasen entsteht.
Der Blick aus dem 23. Stock war übrigens wirklich fantastisch. Die Gespräche und Ideen, die wir von dort mitgenommen haben, werden uns allerdings noch etwas länger beschäftigen.
Danke an alle, die dabei waren, mitdiskutiert und ihre Erfahrungen geteilt haben. Wir freuen uns auf die nächste evolve!
Und was nehmen wir mit?